Newsletter #29

06. Februar 2008

betr. kulturpolitik für europa

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Die Kulturpolitische Gesellschaft informiert:

Vormerken: 2008 ist das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs - 2009 das Europäische Jahr zur Förderung der Beziehung zwischen Kreativität, Kultur und Bildung !

„Was mich zu dem macht, was ich bin, liegt in der Tatsache begründet, dass ich mich auf der Grenze von zwei Ländern, zwei oder drei Sprachen und mehreren kulturellen Traditionen bewege. Identität lässt sich nicht aufteilen, weder halbieren noch dritteln oder in Abschnitte zergliedern. Ich besitze nicht mehrere Identitäten, ich besitze nur eine einzige, bestehend aus all den Elementen, die sie geformt haben, in einer besonderen ‚Dosierung’, die von Mensch zu Mensch verschieden ist.“, schreibt der libanesisch-französische Romancier und Essayist Amin Maalouf. „Manchmal tritt jemand an mich heran, legt mir die Hand auf die Schulter und raunt mir zu: ‚Sie haben völlig recht mit dem, was Sie sagen, aber in Ihrem tiefsten Innern, als was fühlen Sie sich da?’ Auf diese eindringliche Frage hin habe ich lange Zeit unwillkürlich lächeln müssen. Heute lächle ich nicht mehr, sie scheint mir nämlich eine weitverbreitete und in meinen Augen gefährliche Sicht des Menschen zu verraten. Wenn man mich fragt, was ich ‚in meinem tiefsten Innern’ bin, wird damit unterstellt, dass es im ‚tiefsten Innern’ jedes Menschen eine alles entscheidende Zugehörigkeit gibt, eine ‚tiefere Wahrheit’ gewissermaßen, einen ‚Wesenskern’, etwas, was mit der Geburt ein für alle Mal festgelegt worden ist und sich nicht mehr ändert; so, als würde alles übrige – seine Entwicklung zu einem freien Menschen, seine erworbenen Überzeugungen, seine Vorlieben, seine Art der Wahrnehmung, seine Wahlverwandtschaften, sein Leben insgesamt – nicht zählen. Und wenn man, wie es heute oft geschieht, seine Mitmenschen ermuntert, doch ‚zu ihrer Identität zu stehen’, legt man ihnen damit nahe, sich doch auf jene fundamentale, häufig religiöse, nationale oder ethnische Zugehörigkeit in ihrem tiefsten Innern zu besinnen und sie vor den anderen stolz zur Schau zu tragen. Wer immer indes eine komplexere Identität für sich beansprucht, gerät ins Abseits.“

Sprecht zwei, drei viele Muttersprachen

Englisch ist die Lingua Franca nicht nur in Europa. Der Umgang mit der europäischen Sprachenvielfalt bleibt trotzdem eine „lohnende Herausforderung“ für den interkulturellen Dialog. Deshalb empfiehlt eine von der EU-Kommission eingesetzte „Intellektuellengruppe für den interkulturellen Dialog“, künftig eine „zweite Muttersprache“ oder eine „persönliche Adoptivsprache“ zu erlernen, mit denen man sich aus persönlichen oder beruflichen Gründen identifiziere. Vorsitzender der Gruppe: Amin Maalouf. Die Einführung eines Lern- und Lehrkonzeptes mit zwei oder mehr Sprachen begrüßt die Romanistin Prof. Vittoria Borsò. Die wirkliche Herausforderung ist aber die rasant zunehmende Zahl von Migrationen: „Sie führen zu sprachlichen und kulturellen Kontakt- und Grenzphänomenen, für deren Bestimmung weder eine Pluralisierung von Identitäten noch die rein additive Form von ‚Mehrsprachigkeit’ ausreichend sind.“ Mehr hier[Internal]

Menschenhandel stoppen

Nach den Worten von Terry Davis, dem Generalsekretär des Europarates, liegt mit der jetzt in Kraft getretenen „Konvention des Europarates gegen Menschenhandel“ endlich „eine wirksame Waffe im Kampf gegen die moderne Form der Sklaverei“ vor. Vom weltweiten Menschenhandel sind nach Angaben der Weltarbeitsorganisation ILO alljährlich bis zu 2,45 Millionen Menschen betroffen, in Europa über 600.000 Personen. Mehr als 80% sind Frauen und Mädchen, von denen wiederum 70% in sexuelle Sklaverei gezwungen werden. Die restlichen Opfer werden als Zwangsarbeitskräfte, Organspender oder zu Zwecken illegaler Adoption verkauft. Mehr hier[Internal]

Kunst und Geschäfte

Neues vom weltweiten Kunstmarkt: in Galerien sind kaum Schnäppchen zu machen. Bei Auktionen bekommt man Kunst zu deutlich niedrigeren Preisen. Nach Auswertung der Preise, die Werke von 100 führenden Künstlern zwischen 1970 und 2004 auf dem internationalen Kunstmarkt erzielt haben, kommen Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke zu dem Ergebnis, dass Kunstwerke in Galerien etwa doppelt so viel kosten wie bei Auktionen. Ende der 1980-er Jahre bezahlten Kunstliebhaber dort noch nur rund 25 Prozent mehr, Ende der 1990er Jahre hatte sich dieser Aufschlag vervierfacht und der reale Preis damit verdoppelt. Mehr hier[Internal]

Menschen in Europa

Amanda Brandellero gewann mit einer Arbeit über Ethnizität und Kulturwirtschaft im letzten Jahr den Cultural Policy Research Award. Der wird jetzt erneut ausgeschrieben. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, hat die Schirmherrschaft für das Projekt Culture Cities Net 2010 übernommen. Günter Grass, deutscher Nobelpreisträger, sympathisiert mit den Roma und ihrer Kampagne „Dosta!“ Das Romani-Wort bedeutet „Genug!“ Ian Buruma, Professor für Menschenrechte und Journalismus am Bard College in New York und bekannter Kommentator, geht die spanische Form der Vergangenheitsbewältigung zu weit. Heiko Haumann beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Heldentum und Volk in Osteuropa. Und Dimitrij Rupel, slowenische Außenminister, findet, dass der Europarat und die Europäische Union ein „wunderbares Paar“ bilden. Mehr hier[Internal]

Hangingaround/HeimatQuartier ist ein europäisches Kunstprojekt und dem Müßiggang auf der Spur. Auf der Website kultur.macht.europa ist jeden Tag ein Foto zum Thema zu sehen. Mehr zum Projekt hier[Internal]   

 

 

 

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