Die Kulturpolitische Gesellschaft informiert:
Vormerken: 2008 ist das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs - 2009 das Europäische Jahr zur Förderung der Beziehung zwischen Kreativität, Kultur und Bildung !
„Es bedarf keines besonderen Scharfsinns, um zu erkennen, dass es Xenophobie ist, die den frühen Erscheinungsformen des Nationalismus gemeinsam ist“, schreibt der britische Historiker T.C.W. Blanning: „Das heißt, nationale Identität wird nicht nur durch die besonderen Tugenden einer Nationalität definiert, sondern auch im Gegensatz zu den negativen Merkmalen der ‚Anderen’. Furcht und Hass etwa vor dem furor teutonicus trugen dazu bei, bei vielen Leidtragenden der deutschen Expansionspolitik den Sinn für Nationalismus zu fördern. Außerdem scheint es in dieser Hinsicht keinen Fortschritt gegeben zu haben, denn die negative Komponente des Nationalismus verlor sich nicht, als seine positiven Funktionen der Modernisierung dienen sollten. Im Gegenteil, selbst wenn nationale Hassgefühle je nach den Umständen zu- oder abnehmen, so haben sie doch nie ganz aufgehört.“
Im Gespräch: Helga Trüpel
Die Gewichtung des EU-Haushaltes ist nicht mehr zeitgemäß, findet Helga Trüpel MdEP. Der Agraretat der Gemeinschaft sollte zugunsten der Förderung von Kultur, Bildung und Kreativität gekürzt werden. Ärgerlich ist insbesondere, dass 2009 als Europäisches Jahr zur Förderung der Beziehung zwischen Kreativität, Kultur und Bildung zur bloß symbolischen Aktivität zu werden droht. Trüpel: „Es ist sicherlich richtig, die Aufmerksamkeit auf die angesprochenen Themen zu lenken. Aber im Rahmen der Lissabon-Strategie werden Kreativität, Bildung und die Wissensgesellschaft bis hin zu den creative industries seit zehn Jahren promotet.“ Bei diesen Themen gehe es auch um eine „glaubwürdige Ausrichtung und letztlich um die Akzeptanz der europäischen Politik.“ Eine Neugewichtung des EU-Haushaltes sei deshalb dringend geboten. Mehr hier
Am Beispiel des Künstlers Mark Rothko wird die existenzielle Bedeutung der gesellschaftliche Einbindung von Zuwanderern/innen und die besondere Rolle von Künstlern deutlich, zeigt Claus Leggewie. Fremdheit ist dabei nicht das Problem: „Kultur ist nicht unbedingt für alle. Manche Kunstwerke verschließen sich den Betrachtern bewusst, nicht jeder mag Oper, viele bringen weder den Willen noch die Geduld auf, sich mit schwieriger Kultur zu befassen. Kultur ist exklusiv und oftmals elitär, Kulturpolitik ist für alle. Denn sie muss Anstrengungen unternehmen, die schwierigen Werke so im öffentlichen Raum zu platzieren und präsentieren, dass jeder, der möchte, einen Zugang zu ihr finden kann.“ Und: „Ein großes Missverständnis ist es, „Interkultur“ und „Hochkultur“ gegeneinander auszuspielen. Jede Kultur ist interkulturell oder hybride, indem sie sich mit „fremden“ Einflüssen auseinandersetzt, diese schamlos ausbeutet und hemmungslos aufnimmt. Assimilation – die Angleichung des Fremden an das Eigene – ist so gesehen der schärfste interkulturelle Schmelztiegel. Und alle Kultur möchte Hochkultur werden, also in die Schlagzeilen, auf die großen Bühnen und Festivals oder wenigsten in den Kulturteil der Lokalzeitung und des Szeneblattes.“ Mehr hier
Der Europäische Musikrat (EMC) und die internationale Sektion des Israelischen Musikrats laden zu einer gemeinsamen Konferenz nach Jerusalem. Debattiert über die Möglichkeiten von Musikerziehung und Kulturpolitik sowie die Rolle der Medien in Krisenregionen. Teilnehmen werden Musiker, Politiker und Wissenschaftler aus ganz Europa, USA und Afrika. Das Eröffnungskonzert wird von der palästinensisch israelischen Gruppe „The Way of Peace Ensemble“ bestritten, Laura Hassler (Musicians without Borders), Marion Haak (Barenboim-Said Foundation) und Marco Abbondanza, Direktor des internationalen Musik- und Theaterfestivals "Sete Sóis Sete Luas" gehören zu den Referenten. Zuvor tagt der EMC-Vorstand in Ramallah. Mehr hier
Mehr als 500 Repräsentanten der EU, von Mitgliedsstaaten und NGOs haben am ersten EU-Gipfel zur Lage der Roma teilgenommen. Das Ziel: Stop der Diskriminierung der größten europäischen Minderheit. Heftige Kritik insbesondere an der italienischen Politik hat der amerikanische Fonds-Manager und Philanthrop George Soros geäußert. Die von ihm finanzierten Stiftungen sind vor allem in Osteuropa aktiv, um dort den Aufbau der Zivilgesellschaft zu unterstützen. Soros: „Die Europäische Union ist vielleicht das beste Beispiel für eine offene Gesellschaft. ... Jedoch ist die Ausgrenzung der Roma-Gemeinden, der größten Minderheit Europas, der größte Misserfolg für die Union als offene Gesellschaft.“ Kritik kam auch von Miranda Voulasranta. Die finnische Vizepräsidentin des European Roma and Travellers Forum, betonte aber zugleich die Bedeutung des Treffens. Mehr hier
Menschen in Europa
Helga Nowotny befindet, dass Neugier „für die evolutionäre Geschichte der Menschheit, für das Überleben und das kulturelle Erlernen unabdingbar“ ist. Carol Campbell möchte, dass Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien als selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft erscheinen. Vlademir Putin, ein moderner Machiavellist, macht einen feinen Unterschied zwischen Feinden und Verrätern. Und Jacques Derrida hat einst macchiavellistische Züge in der amerikanischen Außenpolitik gegen die sog. Schurkenstaaten entdeckt. Mehr hier
Bundeskongress Interkultur
Der Kongress ist bald ausgebucht. Gibt es mehr Anmeldungen als verfügbare Plätze im Tagungshaus ist die Reihenfolge des Eingangs der Anmeldung entscheidend. Also .... Außerdem hat sich das Programm ein wenig geändert. In den Fachforen „Interkulturelle Bildung im ländlichen Raum und in Regionen mit niedrigem Migrantenanteil“ und „Interkulturelles Musikleben in Deutschland am Beispiel der Populären Musik“ gibt es neue Referenten. Ein regelmäßiger Besuch der Kongressinformation lohnt sich!
Das KULTUR-Programm der EU ist nicht die einzige Möglichkeit der europäischen Kulturförderung. Da Kultur ein gesellschaftliches Querschnittsthema ist, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Kulturprojekte können von anderen EU-Programmen profitieren, wenn sie deren Zielen entsprechen. Schauen Sie sich um: hier und hier
Hangingaround/HeimatQuartier ist ein von der EU gefördertes europäisches Kunstprojekt und dem Müßiggang auf der Spur. Mehr zum Projekt hier
Unsere Medienpartner:
Weitere Informationen unter
www.kultur-macht-europa.de
Impressum:
Herausgeber: Kulturpolitische Gesellschaft e.V. Weberstr. 59a 53113 Bonn
Tel.: 0228 / 201 67-0 - Fax: 0228 / 201 67 33
post@kupoge.de
Redaktion: Wolfgang Hippe (V.i.S.d.P.),
A.R.T Agentur für Recherche und Text
Tel. 02 21 / 54 50 48
redaktion@art-recherche.de
Newsletter abbestellen:
Wenn Sie diesen Newsletter einmal nicht mehr erhalten möchten,
klicken Sie bitte hier