Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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10.04.2007

Zeit zum Sehen

Im Jahr 2006 sah jeder Deutsche ab 14 Jahren durchschnittlich 227 Minuten pro Tag fern. Obwohl die Fußball-WM als „Ereignisfernsehen“ und Medienhype zum Dauergucken lockte, wurde der Rekordwert des Vorjahres nur um eine Minute übertroffen. Mit diesem Durchschnittswert befindet sich Deutschland in bester europäischer Gesellschaft. So sehen die Franzosen 219, die Briten 235, die Spanier 227, die Italiener 249 und die Niederländer 201 Minuten pro Tag fern. Europaweit werden die Fernsehzuschauer zudem immer älter. Das Beispiel Bundesrepublik: hier ist das Durchschnittalter aller Zuschauer zwischen 1995 bis 2005 auf 50 Jahre gestiegen. Die Privatsender führen das gern auf die „Überalterung der öffentlichen Sender“ zurück, um sich selbst gegenüber der werbetreibenden Wirtschaft als „jung“ ausweisen zu können.

Tatsächlich lag das Durchschnittsalter der öffentlich-rechtlichen Zuschauer Ende 2005 bei 58 Jahren (ZDF 58, ARD 57). Dagegen ist der Durchschnitts-Fan der deutschen Privaten in der Tat jünger. Er zählt aber auch schon 43 Jahre, wobei die Werte schwanken. Bei RTL schalten 46-Jährige ein, bei ProSieben sind es immerhin die 36-Jährigen. Aber auch die Privatsender haben ihre „Altensendungen“. Dazu gehört u.a. Günter Jauchs Quiz-Format „Wer wird Millionär?“ (RTL), das zwischen 2000 (45) und 2005 auf 55 durchschnittliche Zuschauer-Jahre gealtert ist. Was Wunder, dass Jauch kurz davor stand, zur alten Dame ARD zu wechseln.

Interessanterweise sind die Alten bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht nur bei den ihnen zugeschriebenen sog. „Volksmusik“-Formaten in der Mehrzahl, auch Sendungen, die auf der Programmschiene eigentlich für junge Leute gedacht sind, verfügen über eine Fangruppe mit höherem Durchschnittsalter. So ist der durchschnittliche Zuschauer der Daily „Marienhof“ 52 Jahre jung, das Lifestyle-Magazin „Polylux“ schaffte es immerhin zu den 51-Jährigen. Selbst die Teenager-Serie „Berlin, Berlin“ (alle ARD) wurde von Zuschauern gesehen, die durchschnittlich 48 Jahre alt waren.

Die Faustregel, dass nicht nur Alte, sondern auch Arme und Menschen mit einfacher Schulbildung viel Zeit vor der Glotze verbringen, gilt europaweit. Reiche, besser Verdiendende, gut Ausgebildete und Junge schalten deutlich weniger ein. So sahen in Deutschland in 2006 Zuschauer mit Hauptschulbildung 246 Minuten fern, Menschen, die ein Studium absolviert haben, dagegen nur 169 Minuten. Berufstätige guckten täglich 196 Minuten, Arbeitslose 272 Minuten, Rentner landeten mit 295 Minuten ganz vorne.

Wenn die Jugend schon nicht fern sah, musste sie mindestens im Internet surfen. So galt lange Zeit die These „Je jünger die Nutzer, desto öfter und länger im Netz“. Tatsächlich sind auch hier die Alten im Vormarsch. Die Generation der "Silver Surfer" ab 50 Jahren ist wie im richtigen Leben auch online mit knapp 8,4 Millionen inzwischen die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe. Ihnen folgen die 30- bis 39-Jährigen (8,1), die 40- bis 49-Jährigen (7,8) und die 20- bis 29-Jährigen mit 6,9 Millionen.


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