Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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17.08.2008

Wo Kulturen aufeinander treffen

In den heutigen zunehmend multikulturellen Gesellschaften spielen Festivals im kulturellen Leben eine Vorreiterrolle, wenn es um den Wandel hin zu interkulturellen Gesellschaften geht, schreibt Kathrin Deventer, die Generalsekretärin von EFA - European Festival Association. Wie wenig andere kulturelle Angebote können Festivals den Zugang zu und die Teilnahme an kulturellen und sozialen Aktivitäten erleichtern: „Sie erreichen die Öffentlichkeit, kommunizieren Visionen und Ideen und können auch für eine gewisse Nachdenklichkeit sorgen.“ Dabei sind freilich gewisse Qualitätskriterien zu beachten, meint Deventer und zitiert Enrique Gamez, den Direktor des Granada Festivals: „Mehr als jemals zuvor muss sich ein Festival heute besonders für Frieden und sozialen Ausgleich einsetzen und den offenen Blick auf die Welt betonen. In dieser Perspektive trägt ein Festival die Verantwortung für eine Kombination von Kultur, Bildung, Freizeit und wirtschaftlicher Verantwortung ebenso wie für ein soziales und zivilgesellschaftliches Engagement.“

In diesem Sinne tritt EFA europaweit für die Bedeutung von Festivals ein und will ihre Bedeutung im internationalen Kooperationen wie im gesellschaftlichen Engagement vorantreiben. Zum Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs hat EFA eine Erklärung veröffentlicht, die inzwischen in 25 Sprachen übersetzt ist, Festival-Macher sind europaweit aufgerufen, sich der Erklärung anzuschließen. Im November wird dieser „Ratifizierungsprozess“ offiziell beendet und das Dokument insgesamt öffentlich vorgestellt. In der Erklärung heißt es u.a.: "Festivals spielen eine herausragende Rolle in dem Übergang von einer multikulturellen Gesellschaft in eine interkulturelle Gesellschaft, ein strategisch wichtiger Schritt im Integrationsprozess:

  • Zu allererst erreichen Festivals eine breite Öffentlichkeit. Die stetige Zunahme an Festivalbesuchern zeigt das wachsende Interesse an Ereignissen, die im Rahmen von Festivals organisiert werden. Eine größtmögliche Anzahl von Menschen in der Verbreitung von interkulturellem Dialog zu erreichen ist ein besonders wichtiges Ziel, da kein interkultureller Austausch stattfinden kann, wenn Menschen nicht die Gelegenheit bekommen, miteinander in Kontakt zu treten.
  • Festivals bieten Künstlern aus der ganzen Welt die Möglichkeit, ihre künstlerischen Erfahrungen zu erweitern und zu entwickeln. Hierdurch fördern Festivals gegenseitigen Austausch von kreativem Potential zwischen verschiedenen Ländern. Vor allem "Artists-in-residence"-Programme bieten den Künstlern die Möglichkeit, in einer neuen Umgebungen zu leben und zu arbeiten und ihre eigenen Erfahrungen mit lokalen Eigenheiten zu kombinieren; dies ist ein positives und berreicherndes Bespiel für Integration.
  • Im Gegensatz zu anderen Medien werden Festivalbesucher angeregt, aktiv am Geschehen teilzunehmen. Festivals sind vielseitige und offene Ereignisse, in denen das gemeinsame Erlebnis und die Partizipation im Mittelpunkt stehen. Festivals verstärken das Konzept der Teilnahme und stimulieren ein Zusammenhörigkeitsgefühl, da sie Ausdruck der regionalen Gemeinschaft sind und gleichzeitig internationale und europäische Aspekte thematisieren.
  • Festivals stimulieren den Kulturtourismus. Jedes Jahr besuchen Millionen von Menschen Festivals in verschieden Regionen und Ländern. Hierdurch treten sie mit neuen und unterschiedlichen Kulturen in Kontakt und lernen sie fremde Traditionen und Geschichten kennen.
  • Festivals sind einzigartige Darstellungen der örtlichen Gemeinschaften, da sie tief in der lokalen Umgebung verwurzelt sind; dennoch nehmen sie oftmals Bezug auf einen nationalen oder internationalen Kontext. Sie fordern lokale Traditionen heraus - da sie für kulturelle Diversität stehen - aber stimulieren gleichzeitig auch Innovation und respektieren das gemeinsame kulturelle Erbe.
  • Festivals spielen eine herausragende Rolle im Bereich der Bildung, da sie eine Kultur von Frieden und gegenseitigem Respekt, sowie Verständnis zwischen verschiedenen sozialen Gruppierungen vermitteln. Randaktivitäten, vielfältige Verwendung von neuen Technologien sowie Programme und Aktivitäten, die sich speziell auf die junge Generation richten, sind außerordentlich geeignete Mittel, Jugendliche zu erreichen und mit ihnen zu kommunizieren, Werte, wie Respekt vor anderen Kulturen zu vermitteln und Bildungsprozesse im Bereich des interkulturellen Austausches zu initiieren.
  • Weit angelegte Randaktivitäten von Festivals sprechen verschiedene Bevölkerungsgruppen an und ermöglichen einem breiten Publikum einen leichten und offenen Zugang zu den Kulturaktivitäten der Festivals. Hierdurch wird die soziale Zusammenführung gefördert. Stets mehr Veranstaltungen von Festivals finden in geselliger Atmosphäre in frei zugänglichen Spielstätten statt, die allen, auch benachteiligten Menschen oder ethischen und kulturellen Minderheiten, offen stehen.“

Den Artikel von Kathrin Deventer können Sie hier[Internal] im Original lesen.

Die Arts Festivals’ Declaration on Intercultural Dialogue finden Sie  hier

Mehr zu EFA finden Sie hier

Kathrin Deventer gehört auch zu den Referenten des Kongresses „Vielfalt verbindet/Diversity united“, der Anfang September in Dortmund stattfindet. Mehr hier[Internal] 

 

 


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