Plattform für ein interkulturelles Europa
„Wir halten Vielfalt für ein grundlegendes menschliches Kapital. Friedliche Koexistenz eröffnet neue Wege produktiver Kooperation. Interkultureller Dialog kann unsere kulturelle Vielfalt verwandeln: vom soziokulturellen Unterschied hin zu einer aktiven Zusammenarbeit zwischen Gruppierungen.“, heißt es im Rainbow Paper, das kurz vor Ende des Europäischen Jahrs des Interkulturellen Dialogs veröffentlicht wurde. Unter dem Motto „Interkultureller Dialog: Aus der Praxis zur Politik und zurück“ fasst damit der 2006 als Civil Society Platform for Intercultural Dialogue ins Leben gerufene, dann in Rainbow Platform umbenannte und inzwischen als Platform for Intercultural Europe agierende Zusammenschluss von über 200 NGOs seine bisherigen Erfahrungen zusammen. Zu den Beteiligten gehört auch die Kulturpolitische Gesellschaft.
Ziel der Plattform ist, die Bedeutung der gesellschaftlichen Vielfalt und ihrer positiven Möglichkeiten stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben und dadurch auch die Entwicklung einer zivilen Gesellschaft zu fördern. Dabei soll auf vier Ebenen agiert werden:
- Gesellschaftliche Akzeptanz - kulturelle Vielfalt und die Komplexität von Identitäten sollen einen deutlich höheren Stellenwert erhalten,
- Soziale Integration – die Notwendigkeit demokratischer Partizipation und von mehr sozialer Gerechtigkeit soll unterstrichen werden,
- Strukturelle Reformen –Organisationen jeglicher Art sollen so umgebaut werden, dass sie der kulturellen Vielfalt in ihrem Umfeld besser gerecht werden können,
- Politischer Einfluss – mit der EU als Hauptkommunikationsdrehscheibe sollen auf alle politischen Ebenen zu einer Verbesserung der Standards und Rahmenbedingungen eingewirkt werden, um gegen Ausgrenzung, Ungleichbehandlung und Verletzungen von Menschenrechten, die in einem Zusammenhang mit kultureller Vielfalt stehen, vorzugehen.
Mainstreaming Interculture
Der Fokus der Bemühungen der Platform for Intercultural Europe liegt wesentlich im lokalen Bereich, weil hier die Probleme von Migration oder ethnischen Minderheiten angesiedelt sind. Die größeren Zusammenhänge werden dabei nicht aus dem Blick verloren: „Wir sind der Ansicht, dass transnationale Gemeinschaften wie die Europäische Union Richtlinien für einen konstruktiven Umgang mit der Vielfalt entwickeln müssen. Wir plädieren für solche Richtlinien und fordern unterstützende Rahmenbedingungen, die einen Einfluss auf nationale und lokale Akteure nehmen können.“
Der Plattform geht es allerdings nicht um den Schutz und die Förderung kultureller Vielfalt an sich, für die viele nationale oder ethnische Minderheiten in Europa oder anderswo eintreten. „Wir räumen ein, dass die Anerkennung von Unterschieden und die Gewährung von Mitwirkungsmöglichkeiten Grundlagen eines Engagements für das Anderssein und seine Akzeptanz darstellen“, heißt es dazu im Rainbow Paper. „Nichtsdestoweniger widerstehen wir bewusst der Einschränkung interkulturellen Dialogs auf die Förderung von Unterschieden und von gelegentlich nicht zu vereinbarenden Gruppeninteressen, die bestehen können. Interkultureller Dialog ist eine Form gewollten Zusammentreffens zwischen Mitgliedern soziokultureller Gruppen, die es ihnen erlaubt, auf einen grundlegenden Wertkonsens hin zu arbeiten und abgestimmte, gemeinsame Maßnahmen zu treffen. Es ist unser zentrales politisches Anliegen und unsere Mission, interkulturellen Dialog in den Dienst von lokalem sozialen Wandel, friedlicher Koexistenz und Kooperation in unseren Arbeits- und Lebenswelten zu stellen.“
Auf einem ersten Treffen am 11. November in Stockholm sollen die Grundlagen für die weitere Arbeit der Plattform über das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs hinaus gelegt werden.
Das komplette Rainbow-Paper können Sie hier nachlesen.
Die informelle Civil Society Platform for Intercultural Dialogue wurde im November 2006 auf Initiative der Europäischen Kulturstiftung (ECF) und des European Forum for the Arts and Heritage (EFAH) gegründet. Inzwischen arbeiten über 100 Organisationen aus ganz Europa mit, darunter auch die Kulturpolitische Gesellschaft. Mehr Informationen hier
Der Vorschlag der Europäische Kommission zum „Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs“ steht hier
Frühere Beiträge zum Rainbow Paper auf kultur-macht-europa finden Sie hier und hier
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